LERNEN:
EIN LEBEN LANG

Warum lebenslanges Lernen durch die Digitalisierung einen neuen Stellenwert bekommt.

Mag. Gertraud Wiesinger, MA

Alle fünf Jahre verdoppelt sich das weltweit verfügbare Wissen

Unsere Welt ist im Wandel. Digitalisierung und neue Technologien beeinflussen vor allem die Arbeitswelt eklatant. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stehen vor neuen Herausforderungen. Die Anforderungen an die Beschäftigten werden sich in den kommenden Jahren durch neue Arbeitsinhalte und Arbeitsabläufe massiv ändern. Und das sehr schnell. Einige Zahlen verdeutlichen den raschen Wandel: Alle fünf Jahre verdoppelt sich das weltweit verfügbare Wissen. In manchen Bereichen dauert dies sogar nur neun Monate. Die Hälfte davon bleibt nur maximal vier Jahre aktuell. Was die Technologie betrifft, prognostiziert die EU-Kommission, dass bereits in nur zehn Jahren 80 Prozent der heute angewandten Technologien durch neue ersetzt worden sind. Berufsbilder werden sich verändern oder könnten gänzlich verschwinden. Studien sagen voraus, dass jeder zweite Arbeitsplatz durch den digitalen Wandel verschwinden wird. Die neu entstehenden Gegebenheiten im Arbeitsumfeld bedeuten, dass Menschen heute umdenken und ein Leben lang ihr Wissen und ihre Qualifikationen erweitern und adaptieren müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Der Betrieb als Lernort

Die Generierung von Wissen hat vor allem eine zeitliche Dimension. Es liegt zwar einerseits bei jedem selbst, sich Know-how anzueignen, hängt aber auch stark von den gegebenen Rahmenbedingungen ab. Unternehmen als Arbeitgeber und Gewerkschaften als Lobby der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind hier gefordert, die Beschäftigungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Durch laufende Qualifizierungsmaßnahmen kann für Beschäftigte der
Arbeitsplatz erhalten bleiben. Das Unternehmen bleibt dadurch konkurrenzfähig. Unsere Aufgabe als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter muss es demnach sein, gemeinsam mit den Unternehmen und in weiterer Folge der Politik, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Beschäftigte lernen und sich weiterentwickeln können. Und das während der Arbeitszeit. Das bedeutet, der Betrieb muss Lernort sein. Es wird notwendig sein, Weiterbildung im Betrieb stärker zu etablieren und die Nachfrage nach Modellen wie etwa das der Bildungskarenz oder -teilzeit, zu erhöhen.

Wissensmanagement ist Gebot der Stunde

Wie bereits oben konstatiert, verändert sich unsere Arbeitswelt rasch. Die Fluktuation in Unternehmen wird größer. Die Arbeitnehmerin/der Arbeitnehmer, die/der ausgehend von seiner Lehrzeit bis zur Pension in einem Betrieb beschäftigt ist, ist heute bereits selten und wird in der Zukunft die große
Ausnahme sein. Hinsichtlich dieser Entwicklung wird ein zweiter wesentlicher Faktor in Bezug auf Lernen und Know-how sein, dass Wissen nicht
verloren geht.

Wissensmanagement muss zu einem wesentlichen Bestandteil einer Unternehmenskultur werden.

Menschen ohne Bildungsabschluss als aussterbende Spezies

Sich bei der Betrachtung von lebenslangem Lernen nur auf die Jahre der Erwerbsfähigkeit zu beschränken, wäre, wie der Begriff schon zeigt, zu kurz gegriffen. Unsere Gesellschaft täte gut daran, das lebenslange Lernen bereits ab den ersten Lebensjahren zu stärken. Kleinkinder sollten bereits verstehen, wie sie sich Wissen aneignen können. Sie müssen das Lernen lernen, um im zukünftigen (Arbeits-)Leben bestehen zu können. Menschen ohne Abschluss (Lehr- oder Schulabschluss) müssen zur aussterbenden Spezies werden.

Unsere Herausforderungen

Wenn wir die oben kurz umrissenen Parameter erreicht haben, bekommt das lebenslange Lernen genau den Stellenwert, den es verdient und den es durch die digitalen Veränderungen braucht. In der Begleitung der Beschäftigten und der Schaffung von geeigneten Rahmenbedingungen für lebenslanges Lernen, liegt eine der zukünftigen Herausforderungen für uns als Belegschaftsvertretung. Aus- und Weiterbildung bekommen im Licht der Digitalisierung eine neue Bedeutung und lebenslanges Lernen muss somit das Natürlichste der Welt werden.